Mit dem Schlauchboot über die Ostsee - meine Flucht aus der DDR

Erzählen Sie uns doch einen Schwank aus Ihrer Jugend!“ So oder in ähnlicher Form versuchten oftmals Schüler unserer Generation ihre Lehrerinnen und Lehrer von dem ungeliebten, regulären Unterricht abzuhalten. Häufig mit Erfolg. Einen „Schwank“ der etwas anderen Art bekamen auch die Bewohner und Gäste des Internationalen Studentenzentrums Schweidt am 22. Oktober 2009 geboten, der das interessante und aufregende Leben einer starken Persönlichkeit nachzeichnete.

Von Dennis H.

sample_schlauchboot_ddr.jpgDer Vortragende, Prof. Dr. Bertram Kaden, Chefarzt am Bethesda Krankenhaus in Wuppertal (Neurochirurgie), berichtete von seiner Sozialisation in der „DDR“, von den Verhältnissen, in denen er aufwuchs und den Einfluss, den seine Eltern auf ihn hatten. Seine frühen Jugendtage und seine Studentenzeit in Greifswald boten Raum für anregende und amüsante Erzählungen. Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch seine spektakuläre Flucht über die Ostsee nach Dänemark. Gespannt lauschten die Zuhörer seinen Worten, als Prof. Kaden von den Unwägbarkeiten und Gefahren berichtete. Wie mutig diese Persönlichkeit war, wurde dem Publikum bewusst, als es erfuhr, dass die Flucht erst beim zweiten Versuch gelang. Aber auch ein anderer wesentlicher Aspekt machte der Vortrag deutlich: In der Gesellschaft der „DDR“ herrschte ein großes Misstrauen, selbst gegenüber engsten Freunden. Kaden hatte sich nämlich nicht alleine auf den Weg in die Freiheit gemacht, sondern bei beiden Versuchen einen Studienkollegen mit an Bord gehabt. Dieser sagte nach dem ersten, abgebrochenen Fluchtversuch zu ihm: „Jetzt weiß ich, dass du nicht von der Stasi bist, sonst wären wir nie soweit rausgefahren.“ Beim zweiten Mal gelang beiden das Entkommen aus der Unfreiheit. Wie berechtigt ein gewisses Misstrauen gegen die „eigenen Genossen“ in der „DDR“ jedoch war, zeigte sich an dem von Prof. Kaden mitgebrachten Auszug aus seiner Stasi-Akte. Eine andere Kommilitonin hatte ihn während seiner Zeit in Greifswald genauestens beobachtet und Informationen aus seinem Privatleben an das sogenannte Ministerium für Staatssicherheit weitergegeben. „Das hätte ich von ihr nie gedacht“, so Prof. Kaden.

Die Zuhörer erlebten einen aufregenden Abend, der ihnen aufschlussreiche Details über das Miteinander und Gegeneinander, über Feindseligkeit und Menschlichkeit in der „Deutschen demokratischen Republik“ aufzeigte; keiner blieb unberührt von der Schilderung dieser Flucht in die Freiheit, die sehr viel Mut und Courage erforderte. 


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